Verhaltensexperimente bringen aufschlussreiche Ergebnisse.
...hmm, hin und wieder fragt man sich wohl doch, warum ein männlicher Löwe eine Mähne hat? Nuuuun, man könnte einem Löwen Dreadlocks in die Haarpracht frisieren, aber wer will das schon? Man könnte einen Löwen mit zu einer Hippie-Revival-Party mitnehmen, ohne dass je Verdacht geschöpft würde. Aber ich bezweifle doch stark, dass allein hierfür die Natur den Löwenmann mit einer Mähne bedachte.
Nun macht solch eine Mähne den ohnehin schon schwerfälligen Rudelchef nämlich nicht jagdgewandter und augenscheinlich ist so eine dichte Behaarung in den sonnenverwöhnten Breiten Afrikas nicht das praktischste Ding. Hat solch eine Mähne dann überhaupt ihren Sinn?
Nun nimmt mancher an, dass eine Mähne vor Prankenhieben im Kampf mit anderen Männchen schützt. Nur erachte ich diese Herleitung einer Löwenmähne doch als reichlich phantasielos, denn auch mähnenlose Katzen neigen zu Revierstreitigkeiten, auch unter Einsatz ihrer Krallen. Sicher geschieht dies nicht in adäquat quantitativer Hinsicht zum Verteidigen eines Löwenrudels, jedoch maße ich mir Zweifel an der Theorie an, da solch eine Behaarung zwar den Vorteil des Nackenschutzes mit sich brächte (was lediglich in der Natur der Sache liegt), aber in Anbetracht der afrikanischen Temperaturen schadet diese mehr, als sie nutzt. So wussten Peyton West und Craig Packer mit Infrarot-Aufnahmen zu beweisen, dass ein Mähnenlöwe am ganzen Körper deutlich mehr Wärme abstrahlte, als es die Weibchen tun.
Vielleicht sollte man der Natur an dieser Stelle nicht ausschließlich bedingungslosen Pragmatismus unterstellen, denn genau so gut könnte ich an dieser Stelle fragen, warum Geparden eine gefleckte Fellzeichnung haben und Löwen so gar keine Zeichnung mit sich bringen? Beider Lebensräume überschneidet sich und anstatt anzunehmen, dass irgendeine Art benachteiligt sein müsste, sieht man, dass beides funktioniert. Nun wird sich eine Mähne, wie gesagt, nicht ausnahmslos vorteilig begründen lassen, aber vielleicht ist sie nur nicht störend genug, als dass sie den Löwen in seiner Evolution beeinträchtigt.
Hinterfragen wir mal nicht den Sinn, den es vielleicht gar nicht gibt, nehmen also die Mähne als gegeben hin und fragen uns eher nach ihrer jetzigen Bedeutung für das Sozialleben der Tiere. Wir schließen jetzt die Augen und stellen uns einen Löwen vor (du und ich), so wie er nach unserem Bilde ausschauen müsste und so wird man zu dem mehrheitlichen Ergebnis gelangen, dass ein Mähnenlöwe erst dann richtig "löwig" ist, wenn er eine volle, schwarze, wilde Mähne hat. Ist dieses Bild beeinflusst von Erinnerungen aus den Büchern der Kindheit, oder widerspiegelt dieses Ergebnis ein intuitives, natürliches Empfinden für den geeigneten Löwenpartner?
Interessanterweise haben Löwinnen nämlich ein ähnliches Traumbild eines Löwen bei der Wahl potentieller Geschlechtspartner. Dies klingt ein wenig aus der Luft gegriffen, jedoch berufen sich Packer und West auf langjährige Beobachtungen und einige Versuche mit dunkel- sowie hellmähnigen Löwenattrappen, welche sie paarweise in der Serengeti aufstellten. Beobachtungen zeigten, dass Weibchen ausnahmslos Interesse an dem dunkelmähnigen Stofftier hatten, dieses vereinzelt sogar zur Paarung animierten. Zeitgleich attackierten die Löwenmännchen zuerst das Männchen mit der hellen Mähne - warfen es um. Sie beobachteten ebenso, dass "blonde" Löwenmännchen ihre dunkelmähnigen Artgenossen weites gehend mieden, während paarungsbereite Löwinnen vornehmlich dunkelmähnige Partner bevorzugten, sobald sie die Wahl hatten.
Dies ließ für die Forscher im Nachhinein den Schluss zu, dass eine dunkle Mähne "Kampfkraft, Gesundheit und möglicherweise gute Erbanlagen" signalisiert. Dem geht einher, dass Dunkelmähnige erhöhte Paarungschancen haben, sie durch die Löwinnen scheinbar als potenter als ihre hellmähnigen Mitbewerber angesehen werden. Es sollte sich herausstellen, dass die Löwinnen mit ihrem Gefühl richtig liegen, denn "Die dunkelmähnigen Löwen hatten hohe Testosteron-Werte", wie Peyton West nach diversen Bluttests in Feldstudien zu verlautbarten wusste. "Kein Zusammenhang besteht allerdings zwischen Mähnenlänge und Testosteron". Und während die einen ihre Haarpracht mit Stolz tragen, geht mancher Löwe ganz und gar ohne Mähne vor die Tür.
Berichte der Vergangenheit erzählten, dass die Löwen im Nationalpark Tsavo-Ost keine bzw. kaum ausgeprägte Mähne haben, was die Bedeutung einer Mähne wieder in den Hintergrund rücken würde. Man spekulierte munter darauf los und über die oft zitierte Aggressivität der Tsavo-Löwen gelangte man zu der Theorie, sie stammten von den Höhlenlöwen ab. Packer und West bezweifelten die Theorie und erklärten die fehlende Mähne mit den hohen Temperaturen im Tsavo Nationalpark. Um dies zu beweisen, machten die Forscher auch hier Gebrauch von den bereits arg geschundenen Attrappen, versahen diese mit unterschiedlichen Mähnenlängen und -farben. Man stellte fest, dass die Tsavo-Löwen das hellmähnige Männchen zuerst angriffen, sodass man schlussfolgerte, dass die Mähne auch bei den Tsavo-Löwen als Statussymbol gilt. Dies allein erklärt jedoch nicht das Fehlen der Mähne. Man nimmt aber an, dass die große Hitze und der dadurch verbundene enorme Energieverbrauch beim Kühlhalten des Körpers dafür verantwortlich sind, dass kaum mehr Energie für das Mähnenwachstum aufgewendet werden kann. "Die Männchen stehen dauernd unter Hitze- und Futterstress. Vermutlich wächst ihre Mähne daher erst gar nicht", erklärte West. Weitere Untersuchen sollen die Aussage bestätigen.
| der Traummann: | So sieht er also aus, der Traum aller Löwinnen... Quasi der Latino unter den Männern, der Bob Marley des Reggae, der Elvis unter den Toten, der... |
| der Blondmähnige: | Und er hat das Nachsehen? Nicht in jedem Falle, aber sobald Löwinnen die Wahl haben... |
| Tsavo-Löwe: | Ein beinahe mähnenloser Tsavo-Löwe |








