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Katzen mit Handicaps

Wie bei der Bedeutung der Löwenmähne bereits angedeutet, ist nicht jedes morphologische Merkmal eines Tieres auch sinnvoll oder vorteilig begründbar. Zwar kann man im Mähnenfalle vom gern beschriebenen Schutz vor Prankenhieben sprechen, aber wenn das der alleinige Grund für eine Mähne sein soll, dann haben Löwen nur deshalb Beine, damit der Bauch beim Durchlaufen einer Pfütze nicht nass wird.

Immerhin hat der haarige Rudel-Chef erhebliche Nachteile beim Regulieren seiner Körpertemperatur. Wärmebilder gaben Rückschlüsse auf die zum einen isolierende Wirkung der Mähne und die zum anderen um ca. zwei Grad Celsius erhöhte Temperatur des Kopfes gegenüber dem Rest des Körpers. Durch die schwere Mähne ist der männliche Löwe lange nicht so jagdgewandt wie seine weiblichen Gefährten und die Tarnung leidet ebenso. Trotz der naturgegebenen Nachteile beeinträchtigt die unpraktische Mähne den männlichen Löwen in seinem Leben und Entwicklung offenbar nicht.

Löwenmann kann sich die Mähne einfach leisten.

Das ist genau der Ansatz für das 1975 beschriebene Handicap-Prinzip. Nach dieser Theorie ist es - um beim Löwen zu bleiben - gerade die Alltagsuntauglichkeit einer großen Mähne, die den Löwenmann für seine Weibchen anziehend macht. So fanden Amotz und Avishag Zahavi - Begründer dieser Theorie - heraus, dass sexuelle Signale vom anderen Geschlecht am wirkungsvollsten wahrgenommen werden, wenn diese möglichst kostenintensiv sind, Signale werden erst dann als glaubwürdig erachtet, wenn diese mit einem Handicap einhergehen. Basierend auf Beobachtungen, erweitern Ivar Folstad und Andrew John Karter diese Hypothese, da ein höherer Spiegel des Sexualhormons Testosteron die Ausprägung männlicher sexualdimorpher Merkmale verstärkt und gleichzeitig die Immunabwehr des Körpers mindert. So deutet eine volle Mähne auf Gesundheit und Kraft hin, verheißt Erfolg im Konkurrenzkampf, trotz der Benachteiligung und der einhergehenden Immunschwächung.

Mähne des Löwen
Mähne des Löwen - © 2009-10-05 14:27:27 Erlend Aasland
 

Die arg unter Futter- und Hitzestress stehenden Tsavo-Löwen zum Beispiel bilden beinahe keine Mähne aus. Demnach lässt eine volle Mähne Rückschlüsse auf die körperliche Verfassung des Männchens zu, welches sogar Energie für etwas so Unnützes wie eine Mähne aufwenden, ja beinahe verschwenden kann. Das Mähnensignal dürfte auch für andere Männchen gut zu lesen sein und dazu beitragen, Auseinandersetzungen zu vermeiden. So gesehen befindet sich ein Löwenmann in einer ambivalenten Entwicklung, denn die Mähne als solche erschwert das Überleben, gibt ihm aber mehr Möglichkeiten der Fortpflanzung.

Möglicherweise ist dieses Prinzip auch Grund für die Ausprägung und das Aussterben der Säbelzahntiger. Sollte man meinen, dass es sich mit den übergroßen Zähnen nur bedingt jagen lässt und man gegenüber den kurzzahnigen Artgenossen im Nachteil ist, waren es unter Umständen genau diese großen Zähne, die den Weibchen als sexuell attraktiver erschienen und den nicht so erfolgreichen Säbelzähnen trotzdem die Fortpflanzung ermöglichten, sozusagen den Überlebensnachteil durch die erhöhte Fortpflanzungschance kompensierten.

Säbelzahltiger
Säbelzahltiger - © 2006-04-15 17:00:34 Scott Lowe
 

Es ist denkbar, dass diese empfindliche Entwicklung durch äußere Umwelteinflüsse aus dem Gleichgewicht geraten ist und es den von je her benachteiligten Großzahnkatzen nicht mehr möglich war, mit dem (über die Entwicklungszeit zusätzlich gewachsenen) Handicap zu überleben.

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