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Warum und wie schnurren Katzen?

Kommen wir heute zum Schnurren. Nein, nicht Schnorren, sondern Schnurren. Obwohl so mancher Zweibeiner, der eine Katze zum Freunde wähnt, bezeugen würde, dass Schnurren und Schnorren am Ende doch das gleiche sind. Während die einen betont desinteressiert auf ihrem Kratzbaum thronen und allenfalls im Verborgenen den Annehmlichkeiten des Katzendaseins gedenken, sitzen die anderen tropfmäulig vor dem Fresschentiegel und "feuern" den Zweibeiner bei jedem Happen an, der zum Naschen bereitgestellt wird, kommentieren jeden Löffel mit enthusiastischem Schnurren. Dass hier ab und an doch mal eine "Scheibe" mehr abfällt, liegt lediglich in der Sache der Natur und hat selbstverständlich nichts mit Betteln zu tun und überhaupt - Katzen betteln nicht. Die verdienen schlichtweg nicht weniger als das Meiste.

Ja ja, ist ja gut - sie betteln. Manchmal.

Würde man nun fragen warum Katzen schnurren, dann hätte man hier bereits eine Antwort. Aber ob das jetzt die allseitige Wahrheit ist und das Schnurren allein dem Gedanken geschuldet ist, Zweibeiner zu unüblicher Nachsicht und Güte zu verführen, sei auch mal dahin gestellt - kein Zweifel daran, dass es funktioniert.

Aber das machen wir jetzt einmal - wir fragen uns warum Katzen schnurren, denken darüber nach wie sie es machen, knobeln aus wann sie es tun. Oder anders gefragt, warum bekommen Hunde einen auf den Deckel, Katzen aber nicht, obwohl beide mal wieder mit dem Mülleimer gespielt haben?

Was versteht man als Schnurren?

Als Schnurren versteht man ein niederfrequentes, gleichmäßig vibrierendes Geräusch, was von Katzen in unterschiedlichsten Situationen des Lebens abgegeben wird. Niederfrequent heißt hier über die Daumenkralle gepeilt 25 - 50 Hz, wobei das Geräusch je nach Individuum und Euphorie von kaum hörbar bis beinahe aufdringlich ausfallen kann. Zudem überträgt sich das Vibrieren auf die ganze Katze, sodass es auch erfühlt werden kann.

Schnurren
Schnurren - © 2008-07-22 15:39:56 Harsh1.0
 

Ein Geheimnis selbst ist dabei die eigentliche Lauterzeugung, denn trotz der heutigen Zeiten Tiefblick in die Beschaffenheit der Natur ist noch nicht zweifelsfrei geklärt, wie das Schnurren hervorgerufen wird. Wenn wir also noch ein paar Jahre warten, dann... haben wir vielleicht schon fünf oder sechs Mutmaßungen, heute aber begnügen wir uns mit dreien. Fangen wir mit der Plausibelsten an, dann können wir den Rest nämlich überspringen und stehen nicht vollkommen unwissend da. Aber das habe ich nicht laut gesagt. Und ihr in den hinteren Reihen hört endlich auf zu stöhnen, denn für mich ist das hier auch die sechste Stunde.

Wie schnurrt man eigentlich?

Wie gesagt, die geläufigste Hypothese sagt, dass das Schnurren durch Reibung der Atemluft am Zungenbein entsteht. Beim Zungenbein handelt es sich um einen u-förmigen Knochen unterhalb der Zunge, der allein über Bänder und Muskeln aufgehängt ist, knochenuntypisch keine Verbindung zum Skelett hat und unter anderem an den Kehlkopf gebunden ist, somit also zur Laut- und Stimmbildung beiträgt. Näheres erläutere ich in der nächsten Stunde, zum Thema der Lautbildung.

Aber gänzlich unwissend sind wir ja gar nicht mehr, denn wir erinnern uns - als wir beim Thema der Taxonomie die Katzen nach bestimmten Merkmalen zugeordnet haben, sollten Katzen zum Beispiel nur dann Großkatzen sein, wenn sie auch brüllen können. Warum können sie das? Eben, zum einen ist das Zungenbein nicht vollends verknöchert, zudem ist es mit einem elastischen Band mit dem Kehlkopf verbunden, wodurch sich eine größere Kehlkopfbeweglichkeit ergibt, die Katzen erst dazu befähigt, das charakteristische, als Brüllen bezeichnete, Geräusch abzugeben. Bei Klein- und Hauskatzen und bei Geparden hingegen ist der Zungenbeinapparat vollkommen verknöchert. Zum einen versagt es ihnen die Fähigkeit des lautstarken Fauchens, zum anderen legt es eben die Vermutung nahe, dass es „Nichtbrüll-Feliden“ erst dadurch zu schnurren möglich wird.

Ja, Großkatzen schnurren auch. Gut aufgepasst. Aber sie tun das allein beim Ausatmen und können das nicht während des Einatmens, wie es ihnen ihre kleinen Familienangehörigen vormachen. Plausibel ist diese Erklärung deshalb, weil sich gerade der Zungenbeinapparat auf die Lautbildung auswirkt, wie hier am praktischen Beispiel der Großkatzen gut zu sehen ist. Zusammenhänge zum Schnurren sind auf dieser Basis also schnell hergestellt. Ob es letztlich so ist, weiß nur der Mond.

Ein kühnerer Erklärungsversuch meint (gefunden auf der: wikipedia.de - SchnurrenExterner Verweis), die Schnurrgeräusche würden durch Blutwallungen in der unteren Hohlvene der Katze zu Stande kommen. Genau genommen soll die Vene durch Muskelbewegungen komprimiert werden, sodass sich der Blutstrom verengt und wieder weitet. Die entstehenden Wallungen verursachen Turbulenzen an den "Engpässen", mit dem Ergebnis schnurrig klingender Schwingungen, die zusätzlich noch durch Zwerchfell, Kehlkopf und Bronchien verstärkt werden sollen.

Denkbar ist manches, doch wenn man das als Erklärung für die Fähigkeit zu Schnurren nähme, gleichsam die lautgebende Funktion des Stimmapparates eher eine untergeordnete Rolle spielen soll, dann bleibe am Ende die Frage, warum Großkatzen nur beim Ausatmen schnurren und ferner müsste man fragen, warum das Schnurren allein den Feliden vorbehalten ist? Ob es letztlich so ist, weiß nur der Mond.

Schnurrende Löwen
Schnurrende Löwen - © 2006-10-02 15:37:26 Chrissy Wainwright
 

Die dritte Vermutung begründet das Schnurren mit den so genannten falschen Stimmbändern (siehe auch: wikipedia.de - TaschenbänderExterner Verweis) die, dicht über den "echten" Stimmbändern gelegen, beim Atmen in Schwingung geraten. Stimmbänder zur Lautgebung? Klingt gut, aber ob es letztlich so ist, weiß nur der Mond.

Wann schnurren Katzen?

Ja, der Mond ist schlau. Und bevor die ersten mit dem Kopf auf die Tischplatte schlagen, erklären wir die Frage nach dem "Wie?" für "beantwortet" und wenden uns der Frage zu, wann Katzen nun eigentlich schnurren. Nein, das tun sie nicht nur weil sie es können. Etwas zu tun, nur weil man es kann, ist eine exklusive Eigenschaft des Menschen, sodass wir ruhig ernsthafter darüber nachdenken können, ob sich für das Schnurren nicht doch noch wirkliche Gründe auftun.

Richtig, zur Kommunikation.

Wann da? Na genau dann, wenn Katzen Zufriedenheit ausdrücken wollen. Sie schnurren, wenn sie als Kleintiere von der Mutter gesäugt werden. Sie schnurren auch, wenn sie sich Zuneigung und Friedfertigkeit entgegnen möchten. Sie schnurren, wenn alles in Ordnung ist. An dieser Stelle fällt selbst Sprachunbegabten auf, dass es einer Katze in der Regel gut geht, wenn sie schnurrt.

Aber wenn man einen Satz mit dem Wortzusammenschluss "in der Regel" einleitet, dann ist da immer irgendwo ein Haken und so auch bei der Schnurrerei, die in Ausnahmefällen auch auf massiven Stress hindeutet. So kann man sich denken, dass das Schnurren in einem Veterinärs-Wartezimmer nur selten Ausdruck der Freude ist. Schnurren lässt sich auch in Situationen des Schmerzes beobachten, etwa bei Geburtswehen oder bei schweren Verletzungen, sogar in den Momenten kurz vor dem Tod.

Man vermutet - ja, wir kommen heute aus den Vermutungen nicht mehr heraus - man glaubt, das Schnurren hat in diesen Momenten eine beruhigende Wirkung auf das Tier. Wer beim Kraulen seiner schnurrenden Katze schon einmal eingenickt ist, der kann die beruhigende Wirkung des vibrierenden Tones zumindest mal bestätigen. Wie das die Katze sieht, weiß ich aber nicht.

Wirkungen des Schnurrens

Laut empirischen Forschungen am lebenden Objekt ließen sich Zusammenhänge zu niederfrequenten Schwingungen und der Knochenentwicklung und -Heilung herstellen. Dass Katzen neun Leben haben, ist ja sprichwörtlich bekannt. Quatsch, die werden nicht wiedergeboren, vielmehr haben Katzen phänomenale Heilungsfähigkeiten, die sich vielleicht aus genau diesen Beobachtungen heraus erklären. Man nimmt an, dass durch die auf den ganzen Körper übertragenen Schwingungen die Frakturheilung stimuliert wird. Auf den Menschen angewendet verheißt eine Behandlung mit Niederfrequenzschwingungen einen Anstieg der Knochendichte und eine beschleunigte Heilung von Brüchen. Diese Erkenntnis könnte/kann der Osteoporose vorbeugen oder entgegenwirken. Ferner kann eine Beschallung in Fällen eingeschränkter Bewegungsfähigkeit zur Stärkung des Skelettes beitragen und Muskelverkrampfungen schneller lösen. Unpraktisch ist die Fähigkeit des Schnurrens also nicht, denn nur so kann man es sich leisten 20 Stunden des Tages faul von einer auf die andere Seite zu rollen, während man sich von innen fit brummt.

Nein, das war jetzt keine Empfehlung sich ein Massagebett zu kaufen. Nein, das war auch keine Aufforderung, Beischlaf auf der Waschmaschine zu vollziehen. Nein, das ist selbstverständlich auch keine Erlaubnis, die Rüttelplatte von der Baustelle um die Ecke zu entwenden. Was? Neeeein, das war auch kein... ach macht doch was ihr wollt.

Wie dem auch sei, die Schnurr-Stunde ist vorüber.

1 Kommentar zu diesem Artikel:

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  •  RomyDonnerstag, 13. November 2014

    Wunderbar erheiternd geschrieben :) klasse!

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