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Des Löwen Mähne und ihre Bedeutung

Hin und wieder fragt man sich doch, warum ein männlicher Löwe eine Mähne hat? Liest man sich durch Sachbücher oder hört sich durch Dokumentationen, dann wird als mögliche Antwort gern der Schutz vor Prankenhieben im Kampf mit anderen Männchen zitiert. Im ersten Moment gibt man sich damit zufrieden, da die Begründung zumeist mit anschaulichem Bildmaterial nachvollziehbar dargelegt wird. Im zweiten Moment weiß man aber nicht, ob das überhaupt eine Antwort auf die Frage war und wenn doch, warum tragen andere Katzenmännchen keinen solch ausgeprägten, durchaus kleidsamen Kopfschmuck? Immerhin neigen auch mähnenlose Katzen zu Revierstreitigkeiten und diskutieren ihr Paarungsbegehr nicht selten unter Einsatz ihrer Krallen aus.

Spätestens jetzt müsste man klären, was man bei der Frage nach dem „Warum?“ als Antwort erwartet. Möchte man den Sinn der Mähne erfragen, also das erklärte Ziel dieser ergründen oder begnügt man sich mit dem Nutzen, im weiteren Sinne also deren Bedeutung, für das heutige Rudel-Leben? Für reichlich Spannung ist in jedem Falle gesorgt, da meines Wissens noch nicht geklärt ist, ob die Mähne tatsächlich einen Sinn hat oder nur deshalb existiert, weil es sie gibt. So ist die Suche nach dem Sinn derzeit die Suche nach der plausibelsten Vermutung.

Dunkle Löwenmähne
Dunkle Löwenmähne - © 2011-07-03 00:00:00 Steve Jurvetson
 

Hat solch eine Mähne überhaupt einen Sinn?

Ausgangspunkt ist der durch die Mähne gegebene Schutz vor Krallen und Zähnen. Das könnte man nun als das Ergebnis der natürlichen Selektion begreifen, da der hierdurch gegebene Überlebensvorteil eine höhere Fortpflanzungschance verheißt und sich das Mähnenmerkmal entsprechend häufig verbreitet - ganz klassisch eben.

Mit etwas weniger Wohlwollen würde man den Schutz vor Prankenhieben als bloßen Nebeneffekt der Mähne abtun, da dies lediglich in der Natur einer dichten Körperbehaarung liegt. Schließlich würde ja auch niemand behaupten, dass wir zweimal fünf Finger haben, weil wir gern das Dezimalsystem verwenden - ohne Zweifel praktisch, aber doch kaum der Sinn. In Anbetracht der afrikanischen Temperaturen schadet die Mähne vermutlich mehr, als sie nutzt. So wussten Peyton West und Craig Packer mit Infrarot-Aufnahmen zu beweisen, dass ein Mähnenlöwe am ganzen Körper deutlich mehr Wärme abstrahlt, als es die Weibchen tun. Zudem steht die Ausprägung der Mähne in engem Zusammenhang zu den Temperaturen des Lebensraums und dem Beuteangebot.

Wir haben also eine schwere Mähne, die den ohnehin schon schwerfälligen Rudel-Chef nicht jagdgewandter macht, es muss zusätzliche Energie für eine dichte Behaarung aufgewendet werden, die in den sonnenverwöhnten Breiten Afrikas lange nicht das praktischste Ding ist. Lassen sich die Nachteile durch den erhöhten Schutz bei Auseinandersetzungen aufwiegen? Wieviel Wert kann dem Schutz durch die Mähne überhaupt beigemessen werden, wenn diese je nach Lebensraum in ihrer Gestalt von „wild“ bis „kaum vorhanden“ variieren kann?

Was wir alleine nicht schaffen...

Der Schlüssel könnte das Zusammenleben im Rudel sein, da in der Gemeinschaft die körperlichen Defizite der Individuen kompensiert bzw. durch die körperlichen Besonderheiten Einzelner überkompensiert werden. Grob vereinfacht, wird im Löwenfalle die Jagd von den geschickteren Löwinnen übernommen, während der Mähnenlöwe die Rudel-Sicherung übernimmt. Mit dem Gedanken ließe sich die natürliche Auslese wieder ins Feld führen, denn wenn man sich die Überlebensarbeit innerhalb der Gemeinschaft teilen kann, den Mähnenlöwen, salopp formuliert, durchfüttert und dieser dafür mit höherer Wahrscheinlichkeit das Rudel vor einer Übernahme bewahren kann, dann wäre das vielleicht Grund genug, den besonders Mähnigen den sexuellen Vorzug zu geben. Möglicherweise erlangt die Mähne ihre Bedeutung erst durch das Zusammenleben in Gruppen, da man als Rudel-Anführer weit öfter in Kämpfe verwickelt ist, als es bei einzelgängerisch geprägten Arten der Fall ist und die Behaarung erst durch diesen Umstand unverzichtbar wird. Führte man diesen Gedanken weiter, bekäme man eine Erklärung dafür, warum der Löwe der einzige Mähnenträger unter den Katzen ist.

Löwenrudel
Löwenrudel - © 2011-04-18 14:33:12 Earth Touch
 

Der Ketzer würde gerade das Rudel-Leben als Gegenargument anführen, da es eigentlich nur innerhalb solch einer Gemeinschaft möglich ist, etwas so Nachteiliges wie eine Mähne zu pflegen. Die Mähne wäre also weniger das Ergebnis ihres Erfolgs als das Symbol für den Erfolg eines Löwenrudels. Möglicherweise wären mähnenlose Löwen genauso erfolgreich, solange sie stets den Löwenanteil der geschlagenen Beute beanspruchen und so bei Kräften bleiben.

Hat die Mähne nun einen Sinn?

Die Mähne wird zum Selbstzweck

Nun sind wir so weit gekommen und sind doch kein Stückchen weiter. Wenn man die Schutzfunktion als Sinn anerkennen möchte, hätte man für alle vorangegangenen Fragen bereits eine plausible Antwort und darf sich zurücklehnen. Für alle anderen steht noch immer die Möglichkeit im Raum, die Mähne habe keinen Sinn. Was wäre, wenn man sich tatsächlich diesem Gedanken hingäbe? Wie passt das zum Evolutionsgedanken? Und warum gibt es die Mähne dann noch?

Man darf der Natur keinen bedingungslosen Pragmatismus unterstellen, denn die Evolution ist kein höheres Wesen, kein Bewusstsein, welches fortwährend alles Leben beobachtet, dabei alles Gute fördert und alle schlechten Eigenschaften sofort wieder herausexorziert. Vielmehr, um es mit den Worten eines Bio-Mimetikers zu sagen, „stümpert die Evolution“ seit ca. 18 Millionen Jahren planlos an den Feliden herum. Es treten immer wieder spontane oder durch äußere Einflüsse hervorgerufene Mutationen auf, die sich positiv, negativ oder gar nicht auf das Erscheinungsbild eines Organismus auswirken können. Nicht immer werden diese Mutationen weitervererbt und verschwinden mit dem Tod des Organismus. Manche der Veränderungen wirken sich derart nachteilig aus, dass diese gar nicht erst weitervererbt werden können und wieder andere begünstigen den Organismus in seinem Fortbestehen.

Helle Löwenmähne
Helle Löwenmähne - © 2010-09-15 14:31:41 George Lamson
 

Da wir in der vorangegangenen Überlegung die Mähne als positives Merkmal ausschließen wollten, muss sie zwangsläufig ein Nachteiliges sein, zumindest aber eines, was nicht störend genug, um das Löwenmännchen in seinem Fortbestehen offensichtlich negativ zu beeinflussen.
Genau hier setzt die Hypothese des Handicap-Prinzips an. Nach dieser Theorie ist es - um beim Löwen zu bleiben - gerade die Alltagsuntauglichkeit einer großen Mähne, die den Löwenmann für seine Weibchen anziehend macht. So fanden Amotz und Avishag Zahavi - Begründer dieser Theorie - heraus, dass sexuelle Signale vom anderen Geschlecht am wirkungsvollsten wahrgenommen werden, wenn diese möglichst kostenintensiv sind, Signale werden erst dann als glaubwürdig erachtet, wenn diese mit einem Handicap einhergehen. Basierend auf Beobachtungen, erweitern Ivar Folstad und Andrew John Karter diese Hypothese, da ein höherer Spiegel des Sexualhormons Testosteron die Ausprägung männlicher sexualdimorpher Merkmale verstärkt und gleichzeitig die Immunabwehr des Körpers mindert. So deutet eine volle Mähne auf Gesundheit und Kraft hin, verheißt Erfolg im Konkurrenzkampf trotz der Benachteiligung und der einhergehenden Immunschwächung.

Arrangiert man sich mit dem Handicap-Prinzip, dann ist die Löwenmähne das Ergebnis ihrer Sinnlosigkeit. Immerhin erleichtert die Mähne die Partnerwahl, denn nur echte Kerle können sich das Mähnetragen wirklich leisten.

Verhaltensexperimente bringen aufschlussreiche Ergebnisse.

Nun da wir uns durch den Berg an Vermutungen gequält haben, dürfen wir feststellen, dass es für das Sozialverhalten des Löwen völlig gleich ist, ob die Mähne tatsächlich sinnvoll ist oder nicht, solange das Ergebnis die Mähne selbst ist.

Hinterfragen wir mal nicht den Sinn, den es vielleicht gar nicht gibt, nehmen also die Mähne als gegeben hin und fragen uns eher nach ihrer jetzigen Bedeutung für das Sozialleben der Tiere. Wir schließen jetzt die Augen und stellen uns einen Löwen vor (du und ich), so wie er nach unserem Bilde ausschauen müsste und so wird man zu dem mehrheitlichen Ergebnis gelangen, dass ein Mähnenlöwe erst dann richtig "löwig" ist, wenn er eine volle, schwarze, wilde Mähne hat.

Interessanterweise haben Löwinnen nämlich ein ähnliches Traumbild eines Löwen bei der Wahl potentieller Geschlechtspartner. Dies klingt ein wenig aus der Luft gegriffen, jedoch berufen sich Packer und West auf langjährige Beobachtungen und einige Versuche mit dunkel- sowie hellmähnigen Löwenattrappen, welche sie paarweise in der Serengeti aufstellten. Beobachtungen zeigten, dass Weibchen ausnahmslos Interesse an dem dunkelmähnigen Stofftier hatten, dieses vereinzelt sogar zur Paarung animierten. Zeitgleich attackierten die Löwenmännchen zuerst das Männchen mit der hellen Mähne - warfen es um. Sie beobachteten ebenso, dass "blonde" Löwenmännchen ihre dunkelmähnigen Artgenossen weites gehend mieden, während paarungsbereite Löwinnen vornehmlich dunkelmähnige Partner bevorzugten, sobald sie die Wahl hatten.

Löwenpaar
Löwenpaar - © 2009-09-30 14:28:59 Erlend Aasland
 

Dies ließ für die Forscher im Nachhinein den Schluss zu, dass eine dunkle Mähne "Kampfkraft, Gesundheit und möglicherweise gute Erbanlagen" signalisiert. Dem geht einher, dass Dunkelmähnige erhöhte Paarungschancen haben, sie durch die Löwinnen scheinbar als potenter als ihre hellmähnigen Mitbewerber angesehen werden. Es sollte sich herausstellen, dass die Löwinnen mit ihrem Gefühl richtig liegen, denn "Die dunkelmähnigen Löwen hatten hohe Testosteron-Werte", wie Peyton West nach diversen Bluttests in Feldstudien zu verlautbarten wusste. "Kein Zusammenhang besteht allerdings zwischen Mähnenlänge und Testosteron".

Während die einen ihre Haarpracht mit Stolz tragen, geht mancher Löwe ganz und gar ohne Mähne vor die Tür. Berichte der Vergangenheit erzählten, dass die Löwen im Nationalpark Tsavo-Ost keine bzw. kaum ausgeprägte Mähne haben, was die Bedeutung einer Mähne wieder in den Hintergrund rücken würde. Man spekulierte munter darauf los und über die oft zitierte Aggressivität der Tsavo-Löwen gelangte man zu der Theorie, sie stammten von den Höhlenlöwen ab. Packer und West bezweifelten die Theorie und erklärten die fehlende Mähne mit den hohen Temperaturen im Tsavo Nationalpark. Um dies zu beweisen, machten die Forscher auch hier Gebrauch von den bereits arg geschundenen Attrappen, versahen diese mit unterschiedlichen Mähnenlängen und -farben. Man stellte fest, dass die Tsavo-Löwen das hellmähnige Männchen zuerst angriffen, sodass man schlussfolgerte, dass die Mähne auch bei den Tsavo-Löwen als Statussymbol gilt. Dies allein erklärt jedoch nicht das Fehlen der Mähne. Man nimmt aber an, dass die große Hitze und der dadurch verbundene enorme Energieverbrauch beim Kühlhalten des Körpers dafür verantwortlich sind, dass kaum mehr Energie für das Mähnenwachstum aufgewendet werden kann. "Die Männchen stehen dauernd unter Hitze- und Futterstress. Vermutlich wächst ihre Mähne daher erst gar nicht", erklärte West. Weitere Untersuchen sollen die Aussage bestätigen.

1 Kommentar zu diesem Artikel:

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  •  walter schufeckerSonntag, 29. Juni 2014

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