Ein sehr seltsames Thema im Zusammenhang mit Großkatzen sind Hybriden, entstanden durch Kreuzungen zweier Individuen verschiedener Art. Wenn man also von Großkatzen spricht, denkt man an Kombinationen aus Tigern und Löwen oder sogar Löwen und Leoparden. Das zweifelhafte Ergebnis sind dann seltene Liger, noch seltenere Tigons und derzeit warscheinlich nicht existente Leopons.
Allerdings sind die Hybriden einmal mehr ein Beweis dafür, wie bekloppt der Mensch dann doch ist, denn derlei Kreuzungen sind in keiner Weise natürlich und würden unter normalen Umständen nicht in freier Wildbahn vorkommen. Ein Grund dafür ist, dass sich Lebensräume von Tiger und Löwe eigentlich nur im indischen Gir Forrest überschneiden, sodass natürliche Hybriden, wenn überhaupt, nur hier vorkommen würden. Hinzu kommt, dass hier nur einige hundert asiatische Löwen leben und die Wahrscheinlichkeit zu gering ist. Womit ich zu dem Schluss komme, dass Liger, Tigons oder Leopons ein weiteres Produkt aus der reichhaltigen Angebotspalette menschlicher Experimentierfreude sind, ein Produkt künstlicher Befruchtungen oder dem Zusammenleben zweier verschiedenartiger Katzenwesen in Gefangenschaft.
Bedingt durch die Seltenheit dieser Tiere, sind auch Informationen sowie Bildmaterial etwas rar, sodass ich zum Leopon z.B. keine Informationen habe. Wenn man sich das Photo einmal näher betrachtet und man darauf einen Mähnenlöwen mit Leoparden-Fellzeichnung erkennen muss, dann wäre ohnehin alles gesagt. Spätestens hier beginnt man zu fragen, was das eigentlich soll. Dadurch ich noch nicht in der Lage war einen Tigon selbst zu photographieren, habe ich mir das Bild aus dem Netz geholt. Deshalb ist es für mich nicht nachvollziehbar, inwieweit es sich hier wirklich um einen Tigon handelt, auch wenn dieser als ein solcher ausgewiesen war. So muss man alles mit ein wenig Distanz betrachten.
Wann spricht man nun vom Liger und wann ist es ein Tigon? Unschwer zu erkennen, setzt sich der Name aus Teilen des "Lion" und des "Tigers" zusammen, wobei der erste Teil im Namen immer die Art des Vaters angibt, dann folgt der Namensteil des weiblichen Elterntieres. (So gesehen müsste man sich mal Gedanken machen, welches dt. Wort sich für den Tigon finden ließe.)
Erwartungsgemäß weisen Mischlinge phänotypische und genotypische Merkmale beider Elternteile auf, wobei die Löwenanteile überwiegen, ganz gleich ob Tigon oder Liger. Beide haben vergleichbar helle Tigerstreifen auf der löwentypischen Fellgrundfarbe. Männliche Tiere besitzen sogar eine Mähne, die aber nicht die Ausprägung derer normaler Löwen hat. Tigons und Liger verfügen zudem über den "Sprachschatz" beider Eltertiere, Brüllen wie ein Löwe, Chuffen wie ein Tiger. Auch bricht das Erbe des Tigers bricht wieder durch, wenn es darum geht zu Schwimmen. Dass es aber auch Unterschiede zwischen den Tieren gibt, sieht man spätestens im Größenvergleich, denn Liger werden im Normalfall größer als sibirische Tiger und sind somit größer als jede andere Großkatze. Schnell werden die 500kg Körpergewicht erreicht. Selbst Hobbs und Patrick (Bild: 2 und 3) werden auf 400kg - 500kg geschätzt. Interessanterweise werden Tigons nicht annährend so groß, letztlich sind sie sogar kleiner als die kleinste Tigerunterart. Allerdings sind Löwen und Tiger in genetischer Hinsicht doch zu weit entfernt, wodurch die hybriden Nachkommen steril sind, was in erster Linie auf die männlichen Tiere zutrifft, denn es wurden auch Fälle gemeldet, wo steril geglaubte Weibchen Junge bekommen haben. Zudem wurden bei solchen Tieren gehäuft Verhaltensstörungen festgestellt.
Besonders Letzteres wirft die Frage auf, warum man also unbedingt Kopulationen zwischen Tiger und Löwe herbeiführen muss? Und tatsächlich, es gibt Beweggründe, die stellenweise so unglaublich blöd sind, dass sie eindeutig menschlicher Herkunft zugeordnet werden können.
Ein früher Grund waren Experimente im 19Jh., da man sich mit einfacher Vererbungslehre auseinandergesetzt hat. Nur hat man irgendwann gemerkt, dass die Tiere für gewöhnlich steril sind und hat die Sache so nicht mehr weiterverfolgt, zudem wurde das Verbot von solchen Experimenten ausgesprochen. Bis vor kurzem gab es noch Experimente in Zoos, aber auch hier hatte man ein Einsehen und hat solche Züchtungen eingestellt und als eine Art von Tiermissbrauch verurteilt.
Ein viel einleuchtender, weil doch so menschlicher, Beweggrund ist das Schaffen einer Hauptattraktion für Zoos und Zirkusse, da die Seltenheit und Ungewöhnlichkeit des Tieres wohl mehr Zuschauer und Besucher verspricht. Dass man hierbei Verhaltensstörungen der Tiere bewusst einkalkuliert, verrät das außerordentliche Interesse am Tier...
Zwar sind mir die aktuellen, weltweiten Gesetzesregelungen um die Haltung von Raubgetier nicht bekannt, jedoch wurden Hybriden auch gezielt gezüchtet um die Gesetzgebung zu hintergehen! So untersagten Gesetze zwar den Handel und Besitz von Tigern und Löwen, nur fanden/finden in diesen Gesetzen keine Hybriden Erwähnung, auf das jeder seine große Schmusekatze für den heimischen Garten bekommt. Das kommentiere ich nicht weiter.
An der Stelle fällt es nicht schwer, die Züchtung dieser Tiere zu verurteilen, weil ihre bloße Existenz der direkte Widerspruch dessen verkörpert, was im Interesse des Tieres stehen kann. Alle Bemühung der Züchtung entspringt nicht mehr dem Vernunft-Gedanken der Arterhaltung, auch dienen diese Tiere nicht dazu, dem Menschen (wohl eines der wenigen Pro-Zoo-Argumente, die ich gelten lasse) einen näheren Bezug zum Tier zu geben. Vielmehr nimmt man dem Löwen, dem Tiger all seine Würde, nimmt ihm das letzte bisschen menschlicher Bewunderung und korrumpiert sich zu alle dem selbst, da man sich hiermit der einzigen Rechtfertigung eines Zoos beraubt.
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