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Ein Kratzbaum

Wer Katzen hat, wird bestimmt schon einmal drüber nachgedacht haben. Wer sich Katzen als Mitbewohner zulegen möchte, vermutlich auch. Und wer beim Einkaufen schon einmal über ein rosafarbenes Plüsch-Ungetüm gestolpert ist, welches schon vom bloßen Betrachten ins Schwanken gerät, der wird ganz sicher schon mit dem Gedanken gespielt haben – wir bauen den Kratzbaum selbst.

Es spricht natürlich einiges dafür, denn zum einen kann man das Gerät den geographischen Gegebenheiten der Behausung anpassen, es lässt sich so eher dem persönlichen Geschmack und dem Interieur des Wohnraumes angleichen und inmitten der nüchternen Vorteile bleibt auch noch das Gefühl, etwas Gutes für seine kleinen Fellnasen zu tun. Ein typisches Frauenargument wäre zudem, dass man beim Selbermachen schließlich genau weiß, was drinnen steckt und wenn man es darüber hinaus geschickt anstellt, dann bekommt man ein stabiles Konstrukt auf die Beine gestellt, welches doch um einiges preiswerter sein kann, als vergleichbar große und haltbare Kratzbäume im Zoo-Fachhandel.

Klingt doch schon mal ganz gut. Nachteile hat das Selbermachen aber auch. Eben – das Selbermachen. Spaß beiseite. Wer Bastel-Ambitionen hat, der bastelt auch gern und dann ist es eher Hobby denn Arbeit. Wer es nicht mag oder keine Zeit hat, der sollte es erst gar nicht anfangen, denn von selbst baut sich so ein Teil nicht. Erste, mittelgroße Probleme dürften tatsächlich schon bei der Material-Beschaffung auftreten.

Der fertige Kratzbaum
Der fertige Kratzbaum - © 0000-00-00 00:00:00 Kidogo Gepard
 

Bekommt man Bretter, passende Schrauben und Leim noch reichlich im örtlichen Baumarkt, wird es bei gefrästen und vor allem unbehandelten Rundhölzern schon nicht mehr so einfach. Hier hilft nur Recherche und ein wenig Geduld. Uns hat es tatsächlich sechs Wochen Online-Herumsucherei gekostet, bis man einen Lieferanten ausfindig machen konnte, der außerhalb der Gartensaison 80-er Rundhölzer auftreiben konnte. Ja, in Zeiten, da man praktisch jedes Obst zu jeder Jahreszeit kaufen kann, da gibt es so etwas wie eine Gartensaison. Aber besonders beim Holz sollte ein gewisses Maß an Sorgfalt walten, denn ich glaube nicht, dass die, für maximale Haltbarkeit verseuchten, Palisaden aus dem Baumarkt haustiertauglich sind. Selbst wenn man alle mit Sisal umwickeln würde, bestünde vermutlich noch immer das Problem der Geruchsbildung. Letztlich wäre es sehr schade, wenn man sich beim Bau Mühe gibt und am Ende machen die Vierpfoter einen Bogen um den Spielplatz, weil er einfach widerlich riecht.

Ein generelles Problem beim Basteln ist natürlich das Werkzeug. Zwar benötigt man kein exotisches Gerät, aber ein Satz Holzbohrer wäre ein guter Anfang. Genaueres findet ihr in der Liste der Dinge, die ich bei meinem Kratzbaum benötigt habe.

Was benötigen wir alles?

Werkzeuge:

  • Bohrmaschine
  • Stichsäge
  • Flachdübelfräse
  • Akku-Schrauber
  • Holzbohrer (3mm, 5mm, 6mm, 8mm)
  • Senker
  • 24mm Forstner-Bohrer
  • Pinsel

Material:

  • 5 Stück 2000mm x 80mm gefäste Rundholz
  • 7 Stück 2000mm x 300mm x 18mm Leimholz
  • 1 Stück 2000mm x 400mm x 18mm Leimholz
  • 2 Stück 2000mm x 500mm x 28mm Leimholz
  • 220m ca. 6mm Sisal-Seil
  • 1 Kuschelkorb
  • 1,5l Aqua Combi-Clou Holzlack
  • 5 Holzwinkel
  • Ca. 250 €

Kleinteile:

  • 20 Stück M8 x 160mm Holzschrauben
  • 20 Stück M8 x egal (je nach Forstner-Bohrer) Unterleg-Scheiben
  • 50 Stück M6 x 50mm Holzschrauben
  • 1 Hand voll Krampen
  • 7 Teppichfliesen
  • 100 Flachdübel
  • Ein paar Runddübel
  • Holzleim
  • Möbelverbinder
  • Schleifpapier verschiedener Körnung
  • Ca. 30 €

Zusammengefasst belaufen sich die Kosten des Materials und Kleinteile bei diesem 2m-Kratzbaummonster auf ca. 300 €. Gar nicht wenig aber auch nicht zu viel (immer mit Hinblick auf ähnlich große Kratzbäume). Letztlich ist aber alles eine Frage des Materials. Nimmt man anstatt der teuren 28mm-Platten eine handelsübliche Arbeitsplatte, so kann bei man gleicher Stabilität allein hier schon 50€ einsparen. Verzichtet man auf die stylischen Holzwinkel, muss man keine 25€ für die fünf Dinger berappen und je nach Wahl des Holzes kann man sich ggf. das Lackieren mit dem teuren, spielzeugtauglichen Spezial-Lack für 37€ schenken. Dann sind es vielleicht nur noch 200€.

Hinweis zu den Dübeln

Vielleicht wird mancher einwerfen, dass man auch mit Runddübeln arbeiten kann und die Flachdübelfräse nicht zwingend auf die Liste muss. Das stimmt. Aber das stimmt nur dann, wenn man eine Standvorrichtung für die Bohrmaschine hat. Mal abgesehen von einem arg erhöhten Messaufwand beim Anbringen der Dübellöcher, ist es einfach nicht möglich, mit einer handgeführten Bohrmaschine so exakt zu arbeiten, dass die Dübel beim Zusammenbau auch noch passen. Mag das beim Verbinden zweier Bretter noch möglich sein, so wird das spätestens beim Zusammenspiel mehrerer Seiten, etwa für eine Kiste, fast unmöglich. Selbst wenn man auch die Hürde nimmt und die Bretter irgendwie zum Würfel zusammengepresst bekommt, so werden rechtwinklige Elemente immer schief und verdreht wirken, da man bei geraden Körpern selbst Abweichungen im Untermillimeter-Bereich wahrnimmt. Wer eine Ständerbohrmaschine hat, der kann es probieren, ansonsten ist wirklich davon abzuraten. Näheres gibt es in der detaillierten Baubeschreibung zu erfahren.

Spätestens jetzt lässt sich abschätzen, ob man sich an solch ein Vorhaben heranmacht oder ob man dem gekauften Kratzbaum Vortritt lässt. Fragte man nun mich, so muss ich gestehen, dass ich momentan nicht sicher bin, ob ich so etwas noch einmal selbst bauen würde, denn man kann es noch so sehr planen und berechnen, der Aufwand ist immer exakt doppelt so hoch wie man ihn erwartet. Das ist mathematisch zwar noch nicht bewiesen, aber die Richtigkeit der Formel habe ich schon öfter erfahren müssen. Das allein ist nicht schlimm, denn während des Aufbaus ergaben sich keine Probleme. Wirklich entnervend war allein die lange Bauzeit, da man nach dem täglichen Gang zur Arbeit auch nie ungebremst werkeln kann, ohne an die Ruhezeiten im Haus zu stoßen und eventuell den Groll der Nachbarn zu provozieren. Ist die Phantasie erst einmal geweckt und hat man die ungeahnten Fähigkeiten des handwerkelnden Männchens und dessen Werkzeug erkennt, verliert Frau und Mann sich schnell im Entwickeln neuer Ideen, die plötzlich Kosten aufwerfen, die vorher so nicht im Drehbuch standen. So fällt die Ersparnis als Argument je nach Tatendrang weniger gewichtig aus als vor dem Baubeginn.

Aber wie hat es Michael Mittermeier beschrieben: „Und wenn es dann einmal lächelt, dann bekommst du alles wieder zurück.“ Hinterher war alles ohnehin nur noch halb so schlimm wie währenddessen ;)

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