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Cats, das Musical

Ließ sich bereits im vorhergehenden Artikel erahnen was Jellicles sind, stellt sich letztlich die Frage, wie diese zu ihrem Namen kamen. Man vermutet, der Begriff "Jellicle" leitet sich aus der verkürzten Bezeichnung "dear little cats" her - ein Ausdruck, welcher von Thomas Stearns Elliots Nichte unfreiwillig geprägt wurde, da diese offensichtlich Schwierigkeiten mit der korrekten Aussprache hatte. Dieser neu entstandene Begriff wurde in die Gedichte-Sammlung "Old Possum's Book of Practical Cats" aufgenommen und bezeichnet seither den speziellen Katzen-Stamm schwarz-weißer Katzen. Ähnlich kamen wohl auch die Pollicle dogs (poor little dogs) zu ihrem Namen.

Warum sollte man sich noch einmal die Mühe machen, manche der Cats-Charaktere zu portraitieren und die Handlung grob zusammenzufassen, wenn im Netz doch bereits unzählige Fan-Seiten zu diesem Thema berichten? Nun, nennen wir es eine Verneigung vor dem Musical, vielleicht bezeichnen wir es als eine Liebeserklärung an die schneeweiße Katze.

Cats-Logo Cats-Logo

Hat man die Cats-Euphorie vergangener Jahrzehnte nicht miterlebt und kommt vielleicht erst jetzt in die Verlegenheit eines Besuches (ja, die Katzen touren wieder, zudem mit eigenem Zelt :), dann fällt einem schnell auf, wie sehr sich dieses Musical von denen unterscheidet, die man momentan zu sehen bekommt. Böse Zungen würden nun behaupten, es läge an der möglicherweise nicht mehr zeitgemäßen Aufmachung und an der nur zu erahnenden Handlung.

In der Tat haben es die Katzen heute schwer, wenn man sie an aktuelleren Musicals wie zum Beispiel dem „König der Löwen“ misst. Allein mit einem gen Bühnendecke emporsteigenden, ufoähnlichen Lichtkringel zum Auftakt der Katzen-Show lässt sich nichts gewinnen, wenn man am Beispiel des wuchtigen, beinahe filmgetreuen „Circle of Life“-Einstiegs des Löwenkönigs einen Eindruck davon bekommt, wie man ein Musical eröffnen kann. Allerdings habe ich den Zusammenhang des „Ufos“ mit dem Rest des Musicals ohnehin nie erkannt, da sich während der gesamten Vorführung, mit Ausnahme der auserwählten Grizabella am Ende, nichts am Set bewegt.

Aber worüber ließ sich im vorhergehenden Artikel gar seitenweise referieren, wenn Cats keine Handlung hat? Schaut man näher hin, dann entdeckt man schon allerlei Handlung innerhalb der einzelnen Charaktersegmente, aber der rote Faden von Cats lässt sich mit der jährlichen Rudelzusammenkunft auf der Suche nach dem Auserwählten zur Wiedergeburt beschreiben – nicht weniger aber auch nicht mehr. Man bemerkt schon, dass die vertonten Gedichte T. S. Elliots nur lose im Zusammenhang stehen und auch gar nicht als Musical geplant waren. Erst das unveröffentlichte Gedicht der Grizabella brachte Andrew Lloyd Webber auf den Gedanken eines Musicals.

Dabei sollte der Weg der Ausgestoßenen zurück in die Jellicle-Gemeinschaft als durchgehende Handlung dienen, die im gleichen Moment die anderen Charaktere des Gedichtbandes recht geschickt als Mitbewerber um die Wiedergeburt verknüpft. Für jemanden, der das Musical zum ersten Mal sieht, stellen sich im ersten Akt des Stückes eine Reihe an Fragen, die von den nacheinander hereinpurzelnden Katzen aufgeworfen werden, bevor das Musical nach dem legendären Jellicle-Ball ab dem zweiten Akt (auch wortwörtlich) Fahrt aufnimmt und die Charaktere und Handlung endlich zusammenbringt.

Und das sind die Zutaten für eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten?

Ja, und das zu Recht. So hat das Musical nunmehr 30 Jahre auf dem Katzenbuckel und nie hat man als Beobachter der Katzenbande das Gefühl, es sei in die Jahre gekommen. Zeitlose Klassiker, ohrwurmige Melodien schleichen sich auch noch Wochen später durch das Ohr. Man wird förmlich überrannt von der Dichte der Aktionen auf der Bühne, der zumeist zeitgleich agierenden Charaktere. Man ist fasziniert von den strikt durchchoreographierten Bewegungen aller Katzen, die selbst dann agieren, wenn sie gar nicht im Fokus des Beobachters stehen. Keine Geste ist dem Zufall überlassen, keine der Katzen macht in der über zweistündigen Vorführung je den Eindruck, als wüsste sie sich nicht zu beschäftigen. Trotz der Erwachsenen in Katzenkostümen käme man nie auf die Idee, dass dies kitschig oder kindlich wirkt – im Gegenteil. Bis auf eine Pfote voll Ausnahmen sind die Bewegungen, Gesten und Mimik der Katzen zurückhaltend, nachvollziehbar, lassen sowohl Mensch und Katze die Würde und erdrücken den Besucher nicht mit gezwungenem Gebaren der anthropomorphen Vierpfoter.

Man gesteht den Katzen durchweg das frivole Wesen zu, was den Beobachter, neben den ohnehin schon vereinnahmenden Bildern und Klängen, zu manch lüsternem Gedanken verführt. Welch Kater kann leugnen, dass ihm die kleine Victoria über die gesamte Vorstellung hinweg zum Träumen verleitet, des Katers Gedanken raubt und ihn zum ganz persönlichen Jellicle-Ball begleitet, auf dass sie den Streuner Plato so schnell wieder vergisst wie sie sich ihm in den ersten Momenten neuer Begierden hingab? Welch Männchen wäre nicht gern der Macavity, den Demeter und Bombalurina lasziv gebärdend besingen? Ja, die zwei haben einen Hüftschwung…

Wenn man Cats hört, hat man große Erwartungen.

Ob diese erfüllt werden, hängt in erster Linie von einem selbst ab. Die durch den enormen Erfolg der letzten Jahrzehnte völlig überzogene Erwartungshaltung erdrückt das Musical beim ersten Besuch ein wenig, da der erste Akt (so viel Objektivität muss sein) recht zusammenhanglos ist und dem nach dem Sinn forschenden Zuschauer in der ersten halben Stunde den Blick für das Eigentliche verwehrt. Erst mit dem zunehmenden Handlungsverlauf und -Tempo findet der Cats-Neuling in das Geschehen, findet auch endlich Zeit für die detaillierten, liebevollen Kostüme und traut sich, abseits des Katzentreibens auf Entdeckungsreise zu gehen. Erst ab der zweiten Hälfte des Musicals (inklusive dem Jellicle-Ball) erfasst man die genialen Choreographien der zweibeinigen Vierpfoter in Kombination zur mitreißenden Musik, die, vom unzüchtig vorgetragenen Macavity über den immer wieder magischen Mistoffelees, ihren Höhepunkt in Grizabellas „Erinnerung“ findet. Und erst wenn Old Deuteronomy noch einmal zusammenfasst, worauf es beim Ansprechen einer Katze ankommt, erkennt man die wahre Bedeutung dieses Musicals – ein Moment aus dem Leben einiger Katzen. Alles was von nun an bleibt ist die Frage, wann und wo man das Musical ein weiteres Mal sehen kann.

Wenn das Warten auf die nächste Cats-Show zu lange dauert, lässt sich diese mit der gleichnamigen DVD vertreiben, die wider Erwarten das Gefühl eines Musical-Besuches recht gut transportiert. Zudem bekommt man mit mehrmaligem Schauen die Gelegenheit, die vielen kleinen Besonderheiten in den Aktionen der Katzen zu entdecken, die im allgemeinen Getümmel der Gruppe nie auf einmal erfasst und beim ersten Mal nicht wahrgenommen werden können.

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