Seite zu groß?
 Der Gepard hat gemeint, diese Seite sei zu groß, um noch sinnvoll auf einem Endgerät dieser Größe dargestellt zu werden. Und nun?

Alles Meins

Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen das war mein Sinn. Und noch ehe der erste Satz zu Ende geschrieben ward fällt auf, dass er glatt weg gelogen war, denn kaum eine Katze geht unnütz auch nur einen Meter, während im zweiten Gedanken auffällt, dass ich das schon einmal sagte. Jedoch gibt es Dinge im Leben, die seit der Erfindung der Evolution Gültigkeit haben und diese auch behalten, bis der Entwicklungsgang wieder abgeschafft wird. Drängt sich demnach die Frage auf, was der Gepard zu gewohnt später Stunde im nahe gelegenen Forst verloren hat?

*hält einen Moment inne, und gibt den Lesern die Möglichkeit, ihre Gedanken zu bereinigen, denn es ist zur Ausnahme nicht so, wie sie denken.*

Vielmehr sollte aufgefallen sein, dass an jenem Tage das sonst so übersorgfältig hergerichtete Katerfell ein bildhaftes Anschauungsmodell für die immerwährende Wirkung der Gravitation auf alle Körper innerhalb der Erdatmosphäre darstellt, indem es noch immer regendurchnässt und künstlich beschwert gen Boden strebt, indes Kater ein zugeben recht Mitleid erregendes Bild eines Despoten abgibt. Spätestens bei diesem Anblick kommt keiner mehr wirklich auf die Idee zu hinterfragen, warum Katzen kein Wasser mögen. Aber man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben, lernt zu leiden und lässt sich nicht mehr wirklich aus dem Konzept des Daseins bringen, wenn es in diesen Breiten scheinbar ununterbrochen bar jeglicher Vernunft zu Regnen scheint, denn was will man schon gegen wortwörtlich höhere Gewalten ausrichten?

Was mir bei alle dem aber mal so richtig auf den *zensiert* geht, sind manche Waldbewohner, die mit fortschreitendem Regen ein Ende der territorialen Prohibition sehen, ungeniert in meinen Gefilden zu wildern beginnen, während die Gebietsgrenzen besonders großzügig, beinahe verschwommen ausgelegt werden und mancher sich im Anflug von Leichtsinnigkeit im Rechte wähnt, des Parden Revierlichkeiten zu annektieren.

Um aber gar nicht erst in der Verlegenheit der 'gestenreichen Kommunikation' mit anderen zu kommen - Blutflecken bekommt man nämlich so furchtbar schlecht wieder aus dem Fell - befand ich mich in weiträumiger Weise inmitten der Markierungsarbeiten rund um Thalheims Wälder wieder. Ich stand direkt vor einer großen Eiche, schaute an ihr entlang bis hinauf in die Wipfel, stellte mich auf die Hinterpfoten und streckte mich am Baum empor, begann damit ein paar unverblümte Nachrichten an potentielle Eindringlinge zu entrichten, die in ihrer Einfachheit auch von niederen Wesen korrekt interpretiert werden konnten. "Meins" Ich ließ von der arg geschundenen Eiche ab und eilte herüber zur gut sichtbaren Erdanhäufung, versah auch diese mit einer unmissverständlichen Geruchsnotiz. "Meins" Auf diese Weise kennzeichnete ich verschiedenste Monumente des Waldes, zerkratze einen Baum hier "Auch meins", befleckte jenen Strauch dort "Seit jeher meins", zerbiss den Stamm dort hinten "Alles meins... Mein Schahaaatz".
Das gelegentlich zu beobachtende Aufflammen von Unersättlichkeit in den goldenen Augen des Katers in Kombination mit einem entrückt verwirrten Grinsen muss dabei nicht überbewertet werden und ist aus ethologischer Sicht ein notwendiges Ventil für das übersteigerte Egozentrik-Wesen einer Katze. "Alles mir mir mir" Nachdem ich mich wieder unter Kontrolle hatte, setzte ich die territoriumserhaltenden Maßnahmen fort, machte noch manchen Baum zu meinem Eigentum, beschnupperte ein mäßig großes Erdloch, zuckte zurück "Wääh, Füchse. Könnt ihr behalten" und hielt Ausschau nach lohnenswerteren 'Einrichtungsgegenständen'. Ich blickte kurz um mich, bemerkte, dass ich mir des Waldes Filetstückchen bereits alle unter die Krallen gerissen hatte und ich eigentlich den Heimweg antreten könnte. Aber was man hat, das hat man und was man sich nimmt, das gehört einem dann auch, sodass ich mich daran machte, ein letztes Nutzholz zu requirieren.

Wie ich mich mit meinem austrainierten Fleckenpo dem Baume zuwandte, sprang eine Gestalt - so unansehnlich wie eine Baumwurzel - aus einem der Sträucher vor mir, kicherte überdreht, schien sichtlich erfreut über meine Ankunft, beinahe so, als seien er und ich in irgendeiner Weise vertraut mit einander. Anstatt die Situation zu erkennen und mir in genau diesem Moment ein wenig der Privatsphäre zu gönnen, kicherte und gestikulierte das kleine Männchen in beinahe körperlicher Erregung vor mir herum, als ob es mir etwas zeigen wolle.
Kopfschüttelnd gab ich ihm brummelnd zu verstehen, dass ich nicht 'könnte', wenn jemand dabei zuschaut und er sich zum Teufel scheren möchte. Verstanden hat er es nicht, vielleicht mochte er ja auch nicht zum Teufel gehen, auch bin ich nicht sicher, ob er überhaupt zugehört hat, sodass ich mich wohl glücklich schätzen musste, dass er seiner zunehmenden Ungeduld zum Trotz die Contenance wahrte, mich nicht vom Fleck wegzerrte, während ich mich auf ein höheres Konzentrationslevel brachte, um die Sache mit dem Baum zu Ende zu bringen.

Ich trat ein paar Schritte von dem Baum weg und grollte den Gnom an, entblößte meine Zähne gut sichtbar und gab lautstark meinen Unmut kund, denn es gibt auch im Wald gewisse Formen der Höflichkeit und... Er unterbrach mich, gab mir nicht einmal die Gelegenheit, mich richtig aufzuregen, wirbelt mit Worten um sich und wollte mir offenbar eine Art Spiel erklären. Ich ließ ihn noch einen Moment reden, da ich mir nicht sicher war, ob mich in tiefster Nacht ein hässliches Gnom-Ding bei der Arbeit stört, um mich aufdringlicher Weise zu einem Glücksspiel zu nötigen. Ich meine, verwundern konnte es mich nicht, denn schließlich hatte ich schon Zweibeiner vor der Taverne k***en sehen.

Ja, er meinte es tatsächlich ernst und noch ehe ich Gelegenheit zum Verschwinden bekommen hätte, streckte der Gnom seine verdorrte Hand nach meinem Edelsteinhalsband aus und entriss mir einen der eingearbeiteten Steine. Wütend blickte ich zu ihm und erhob die rechte Tatze zum Schlag, streckte noch in der Bewegung die Krallen heraus. Kurz vor seinem Gesicht stoppte ich abrupt die Bewegung, denn irgendwie war sein Gelächter eine seltsame, irritierende Reaktion auf die angespannte Situation, indes der Gnom im Freundjubel ausbrach und meinte, dass er gewonnen hätte.

Irgendwie hatte ich das eigentliche Spiel wohl nicht mitbekommen, holte stattdessen erneut aus und wollte meinen Edelstein aus ihm herausprügeln. Plötzlich schrie er nochmals auf: "Schere schlägt Papier." Noch im Reden verschwand mein Stein in einer seiner Taschen, gerade so, als ob er ihn behalten wolle. Für einen Augenblick habe ich schon an die Möglichkeit eines Traumes gedacht, aber nicht einmal das verworrenste Schlafbild könnte ein derartiges Kichern eines Waldgnomes produzieren, sodass ich noch eine Spur fauchiger wurde und auf ihn zu ging.

Er begann extatisch umherzuhüpfen, weil er in meinem Verhalten den Willen einer zweiten Runde ableitete, zupfte mir blitzesschnell drei weitere Edelsteine vom Halsschmuck und murmelte beschwörend los. Ich holte aus, er schrie wieder auf: "Du bist so berechenbar, Kater. Schere schlägt Papier." Jetzt reichte es endgültig. Ich erhob mich auf die Hinterläufe, stürzte mich auf ihn, denn der Katze Geduld zur Neige ging, während sich der Gnom zum Schiedsrichter aufschwang, eine Regelwidrigkeit in meiner Spielweise erkannte und mich aufgrund der Verwendung zweier Pfoten disqualifizierte. "Ich gewinne.", krächzte er und war in seinem Freundtaumel kaum mehr zu bändigen, denn auch die drei Edelsteine folgten dem Weg des ersten.

Mit so viel Unverschämtheit ist selbst ein Gepard überfordert, sodass ich die Ohren hängen ließ, meine Niederlage anerkannte und im Begriff war, den geplanten Heimweg anzutreten. Wer ahnt denn schon, dass unser Waldgnom den gierigen Rachen noch nicht voll genug bekommen hat und mir hinterrücks fünf weitere Steine vom Hals riss? Wer mit Katzen spielt, sollte Kratzer nicht scheuen. Wer Katzen verarscht, stirbt. Ich drehte mich zu ihm, verengte die Augenbrauen und riss das wütend-tropfende Maul auf, während ich auf den Wicht zusprang und mich auf seine Kehle stürzte, den Griff mehr und mehr verstärkte. Der berauschende Duft des nahenden Todes machte die jammervollen Kommunikationsversuche des Gnomes nicht leichter, sodass ich einige Augenblicke an seiner Kehle hing, bevor ich sein Flehen bemerkte und Worte des Kompromisses verstand. Ich ließ von seinem Hals ab, stellte dafür die linke Pfote auf seine Kehle und leckte mir die ersten Tropfen des Schmerzes von den Lippen. Ich blickte herab auf den Gnom, der sich in rhetorischer Leichtfüßigkeit um ein Unentschieden bemühte, letztlich sogar darauf drängte, mir meine Steine auszuhändigen, denn es sei doch alles nicht so gemeint gewesen. Ich nickte ihm zu und ließ von seiner verschmierten Kehle ab, tatzte ihm kurzerpfot über die linke Wange und gab ihm ein kostenloses Andenken in Form vier paralleler Querstreifen.

"Gepard schlägt Gnom und geht nach Haus."

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