Seite zu groß?
 Der Gepard hat gemeint, diese Seite sei zu groß, um noch sinnvoll auf einem Endgerät dieser Größe dargestellt zu werden. Und nun?

Das Schlammbad

Erela und Lurani waren sehr heute besonders motiviert und gaben mir unbewusst die Chance auf einen Mitternachtssnack, wiesen mir den Weg durch die Wälder auf der Verfolgung eines... ja was war es eigentlich? Schön war es nicht, aber es lebte und konnte somit gegessen werden. In Gedanken schon einen möglichen Geschmack konstruiert und in Vorfreude auf den Genuss, bemerkte ich gar nicht, wie weit ich mich vom Silberwald entfernt hatte.

Ich erkannte Lichter in der Dunkelheit und hielt inne, blickte um mich, denn hier war der Gepard noch nicht. Ich schaute auch nach unten, denn irgendwas stimmte auch mit dem Boden nicht? Ich hörte mich angeekelt fragen, was das nun schon wieder sei und schüttelte die widerlich feuchte Erde von den Pfoten. Hunger. Immer noch. Scheinbar stärker als das Gefühl des Ekels nahm ich die Verfolgung von dem Ding auf und trieb es weiter auf die Lichter zu, direkt hinein in ein seltsames Dorf, welches an einem noch seltsameren Ort gebaut ist, wie ich fand. Gerade noch konnte ich erkennen, wie mein Nach(t)tisch im Eingang eines riesigen Hauses verschwand. Ich schoss wie der Tod persönlich auf das Haus zu, denn von hier gab es nur einen Ausweg und der ging nur noch über meine Zähne, stürzte fauchend durch die Tür – Boogers Badestätte.

Anstatt endlich etwas zwischen die Zähne zu bekommen, erstarrte ich ob des Anblicks eines riesigen Dinges. Genau genommen war es eine der Kreaturen, wie ich sie eben durch den Wald gehetzt habe, nur dreimal größer und grinsend neben ihm mein vermeintliches Fresschen. "Hehe... Ein kleines Missverständnis", war mein lakonischer, kleinlauter Kommentar. Regungslos blickte ich um mich und bereute noch in dieser Sekunde meine Unvernunft, denn wie dämlich ist die Idee, in ein fremdes Dorf 'einzureiten' und zu glauben, dass man deren Bewohner habhaft werden könne? Anstatt nun eine wüste Prügelei anzuzetteln, lächelte mich der Riese an, prasselte mit lautem Geschnatter auf mich ein und schien sonderbar glücklich, dass ich nun bei ihm war. So recht verstand ich es noch nicht, denn immerhin wollte ich gerade seine Tochter verdrücken, was dieser Trollkoloss aber gar nicht realisiert hatte, stattdessen weiter auf mich herabhallte und auf mich zu kam.

Ich muss über diese Gedanken wohl einen Ausdruck in den Augen gehabt haben, den man im troll'schen als ein 'So machen wir es' interpretieren würde, möglicherweise war es dem Besitzer dieser Einrichtung auch gar nicht erst um das Einverständnis seiner Besucher gelegen, sodass er mich schon an meinem neuen, mit 33 Edelsteinen besetzten, Halsband hinter sich her zog, noch bevor ich mein Desinteresse hätte andeuten, vielmehr noch meine Angewidertheit hätte kundtun können.
Sichtlich überfordert mit der Situation ließ ich mich bis zu meinem vermeintlichen Zielort schleifen, denn was sollte man noch machen, wenn die scharf-glänzenden Krallen, mein Grummeln und Fauchen gänzlich ungehört verbleiben und man an solch einem Verhalten entweder die kräftemäßige Überlegenheit des riesigen Trolles ableiten könnte oder eine arge Kommunikations-beeinträchtigung des Ungetüms. Und tatsächlich war es einer von den vielen Zweibeinern hier, die nicht lesen können, den Gedanken des anderen nicht sehen können, nicht einmal in der Lage scheinen, den einfachen Blick in die Augen des anderen zu deuten. Stattdessen gab auch er diese unzähligen, plappernden Laute von sich, mit denen sie sich ersatzweise zu verständigen scheinen – ich glaube, sie nennen es 'sprechen'.

Mit wildem Körpereinsatz und lautstarkem Geplapper wollte er mir wohl sagen, dass ich mich in dieses Schlammloch legen sollte, während sein seltsames, verheißungsvolles Grinsen diesen Eindruck noch zu bestätigen schien. Ich legte den Kopf zur Seite und schaute den Troll distinguiert an, schnupperte an der ekelhaft schmutzigen Brühe – tatsächlich Schlamm – schaute wieder zurück zu ihm und gerade im Begriff zu gehen umfassten mich seine riesigen Hände und versuchten mich in den Schlamm zu stopfen, während ich mich fauchend noch so eben am Rand des Loches abstützen und entgegen drücken konnte. Wie blöd muss man eigentlich sein, bevor man merkt, dass man gleich in Streifen filetiert am Boden liegen würde, bevor man einen Geparden in ein ekelhaftes Dreckloch...

Noch bevor ich den Gedanken zu Ende gedacht hatte, lag ich ganzkörperbedeckt in der stinken Grube und jeder Versuch der Flucht wurde von dem ewig grinsenden Troll unterbunden. Was glaubt er eigentlich, was er hier tut? Was hat er denn gedacht, warum mir meine Mutter all die Jahre gepredigt hat, mich vom Wasser und anderen Flüssigkeiten fernzuhalten? Weiß er denn nicht, dass Katzen von zu viel Wasser krank werden? Und nun das?

Hmmm, aber eigentlich...

Das bekomme ich doch nie wieder aus dem Fell. Und wie das schon riecht. Und jetzt läuft es mir auch noch zwischen die Krallen. Nimm es weg. Fellsträubend liefen mir die Schauer über den Rücken, bis ich bemerkte, dass sich das ja gar nicht soooo schlecht anfühlte, sterben musste man davon offenbar auch nicht, trotz anderslautender Meinung meiner Mutter und deren Mutter und deren Oma und wenn der Geruchssinn erst einmal betäubt ist, lässt es sich sogar aushalten – irgendwie.
Aber den Gedanken durfte ich noch nicht zulassen, denn ich konnte jetzt unmöglich zugeben, dass mir das am Ende auch noch gefällt. Also fluchte und fauchte ich noch eine gute Viertelstunde vor mich her, bis die Augen der anderen Besucher langsam von dem wasserfürchtigen Geparden wichen. Gerade so lange, bis sie ganz ganz bestimmt glaubten, dass ängstliches Wimmern und angewidertes Fluchen ein wichtiger Bestandteil des regelmäßigen Schlammbades einer Katze sind.

Als ich mich mit der Situation arrangiert hatte und langsam in das Wohlfühlprogramm wechseln konnte, stellte mir der Besitzer dieses Etablissements sogar noch eine seiner Mitarbeiterinnen an die Seite, die mir zur Pfote gehe sollte, mir die jagdgeplagten Ballen massierte und sich erstaunlich fachgerecht um den Nachschliff meiner Krallen bemühte. Zwar weit weniger seltsam anzuschauen als der große Troll, war sie dennoch weit entfernt davon, meinen Geschmack an Weibchen positiv zu berühren, sodass ich meine Augen schloss und die geschickte Krallenmasseurin zu einer langbeiningen, grossbraunäugigen Fleckenschönheit idealisierte und diesen wohligen Gedanken mit weithin hörbarem Schnurren quittierte.

Man will erstaunt sein, wie schnell eine Stunde vorüber sein kann und man wird auch erstaunt darüber sein, wie unsensibel man aus seinen Träumen gerissen werden kann, nur damit man darauf hingewiesen wird, dass die Entspannungszeit abgelaufen sei und man Platz für den nächsten Besucher machen müsse. So 'einladend' der Troll zu Beginn des Bades war, so vehement beförderte er mich auch wieder aus dem Loch, bot mir aber ein säuberndes Wasserbad an, was ich dankend ablehnte, da mir eine Grenzerfahrung am Tag genügte, ich mich in diesem Moment breitbeiniger aufstellte und energisch die Schlammreste aus meinem Fell schüttelte.

Und was ist mein Eindruck nach all dem? Anfangs nur mäßig überzeugt vom Ganzen, stellte sich ein Besuch im Wellness-Tempel von Glukmoore als durchaus lohnend heraus, denn mein Fell glänzte wie lange nicht und meine Krallen waren so kampfbereit wie selten. So ließ es sich leichter verschmerzen, dass man nach dem Bad so platt wie ein Ufo war und man erst einmal zu Nichts mehr Lust hat – ok, zu fast nichts. Das Besondere hierbei ist, dass ich den Besuch noch nicht einmal bezahlen musste. Nachdem ich mich auf meine Art des Schlammes entledigt hatte, bedankte sich Booger nämlich derart überschwänglich bei mir, dass er mir sogar den Weg nach draußen gezeigt hat und über seine Freude wohl vergessen haben mag, dass ich ihm noch Geld schulde.

Wenn mich also jemand nach einem Schlammbad fragt – gerne wieder. Und ich, ich suche mir jetzt jemanden, der mich Heim trägt und mir etwas zu essen gereicht.

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