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Teeeeddy

Jäh unterbrochen ward der Traum der Lüsternheit in dreisamer Runde durch der Sonne morgendlich pieksend Strahlen, welche sich ungeachtet der Interessen eines jeden Schlummernden durch die dichten Baumkronen des Silberwaldes drängten, um scheinbar spottend in das Antlitz der Verschlafenheit zu lachen, den neuen Tag zu verkünden, obwohl sie sich doch nur fünf Minuten hätte gedulden müssen, lediglich fünf Minuten hätte sie dem Geparden noch gönnen sollen.
So aber war es Grund genug, den eigentlich schönen Morgen mit demonstrativem Gemaule zu beginnen, wenn man derart ungestüm aus den Träumen gezerrt wird. Lichtgequälten Blickes rollte ich mich ein paar Male umher, reckte und streckte und schleckte mich sanft an Orten, die mancher nicht beschreibt mit Worten, im Moment der scheinbaren Unbeobachtetheit. Nach der allmorgendlichen Pflege rollte ich mich auf den Bauch und erhob mich träge, beinahe widerwillig, denn so früh am Tage mochte man der Sonne nicht die Genugtuung geben wach zu erscheinen. Ich ging herüber zum Bach, trank ein wenig und machte mich in gewohnt nichtsnutziger Weise zum Dorfplatz auf.

So trottete ich extrem gemütlich umher, sehr wohl bewusst um die Wirkung meiner Flecken im hellen Lichte der Sonne, mit erhobenem Haupte und aristokratischem Blick, den Schweif im Rhythmus der Schritte wiegend. Hin und wieder galt mein Lächeln manch holdem Weibchen, bis zu jenem "ergreifenden" Moment, da mich etwas mit einem beherzten Griff am Schwanz packte und mir lautstark und quietschend ein lang gezogenes "Teeeeddy" entgegen rief.

Das, was eben noch Souveränität hieß, nannte sich plötzlich Entsetzen, ohne genau sagen zu können, ob es der spitze Schrei in meinen Ohren war oder die unsäglich feige Attacke auf mein Körperende. Ich zuckte zusammen und blickte fassungslos über meine Schulter um zu sehen, was mich verfolgte. So entgeistert mein Gesichtsausdruck anzuschauen war, so ernüchternd war der Blick ins Antlitz der vermeintlichen Gefahr in Form eines kleinen Mädchens, welches mit einem seligen Grinsen hinter mir stand, meinen Schwanz - fest in ihrer rechten Hand gehalten - an ihre Wange drückte, um mir ein weiteres "Teeeeddy" an den Kopf zu schmettern.

Ungläubig wandte ich mich zu ihr, um sicher zu gehen, dass ich das jetzt richtig gesehen hatte. Ich schüttelte den Kopf, entriss ihr mit einem ruckartigen Hüftschwung mein bestes Stück und blickte sie fragend an. Kaum da ich meinen Schweif zurück hatte, stürmte das Gör auf mich zu und umklammerte mich mit seinen ekelig klebrigen Fingern, ließ sich erneut zu einem seufzend glücklichen "Teeeeeddy" hinreißen, während mir die Schauer in Formation über den Rücken liefen. Reichlich genervt von alle dem wand ich mich aus ihrer Umarmung und trat ein paar Schritte zurück, fauchte sie unüberhörbar an und erzählte ihr, dass ich das nicht mag und ich auch nicht gewillt bin, dies in einem Anfall von Nächstenliebe zu erdulden.

Verstanden hat sie es wohl nicht, denn meine Widerworte schienen sie allenfalls zu bestärken, sie sonderbar zu animieren, meiner habhaft werden zu müssen. So waren ihre weit geöffneten Arme das letzte was ich sah und ein lautes "Teeeeeeddy" das letzte was ich hörte, bevor ich mich herumgeschubst und umklettet auf dem Boden wieder fand.
Grummelnd und mit reichlich Mühe gelang es mir, auf die Pfoten zu kommen, jedoch wurde der Versuch der Flucht durch den unablässigen Griff des Menschenjungtieres um meinen rechten Hinterlauf verhindert, ich es also - einem Gefängnisinsassen und dessen Eisenkugel gleich - hinter mir her schleifte.

Genug jetzt. Ich beugte mich zu ihr herunter und packte sie im Nacken, gab ihr fauchig zu verstehen, dass ich weder ihr Teddy bin, noch in Stimmung bin, ihr Teddy zu sein, sodass sie sich um Himmels Willen etwas anderes zum Spielen suchen möchte, vielleicht jemand anderes bitten möchte, ihr Teddy zu sein oder freundlich nachfragt, ob ihr manch einer etwas zum Spielen mitbringen würde.

In diesem Moment schien sie zu begreifen, während mit jedem meiner Worte die Augen der Kleinen glasiger wurden, sich am Ende sogar eine Träne in ihrem Auge formte. Im Augenblick ihrer Unachtsamkeit befreite ich mich, drehte mich ab und ging meiner Wege, begleitet von einem schluchzenden "Teeeeddy?" Ich hielt inne, dachte eine Weile nach und bewertete die Situation als reichlich unfair, beinahe nötigend und gab mir zudem Mühe, mein schlechtes Gewissen zum Schweigen zu bringen. Als ob das je gelungen wäre. So ging ich zurück zu dem Mädchen, schaute sie an und versuchte zu lächeln, zumindest kam es dem menschlichen Ausdruck der Freundlichkeit nahe. "Teeeeddy."

Ich stand nun vor ihr, bar jeglicher Ahnung, wie ich ihr je begreiflich machen sollte, dass mir das ewige "Teeeeddy" auf den Keks ging, ich Kekse aber gar nicht mehr wirklich mag und ich nicht mit klebrigen Jungtierpfoten angelangt werden wollte. Den Gedanken noch nicht zu Ende verfolgt, streckte sie einmal mehr die Hände nach mir aus. Ich schüttelte wortlos und ernst den Kopf, worauf hin sie ihre Hände zurückzog, um es kurz darauf ein weiteres Mal zu versuchen. Ein vorsichtiges Fauchen brachte sie letztlich dazu, ihre Hände auf ihre Knie zu legen und bei sich zu behalten, während ich ihr sanft zunickte. Es scheint also doch zu funktionieren.
"Teeeeddy." Ich legte ihr die Zeigefingerkralle über ihre Lippen und schüttelte erneut den Kopf. "Teddy." Ich stupste sie mit meiner Nase an ihre, da nun grundlegende Dinge geklärt schienen, ich in meiner Verlegenheit aber so gar nichts mit ihr anzufangen wüsste.

Indes drang wiederholtes Gelächter von manchem hier auf dem Dorfplatz in mein Ohr, ich schaute kurz über den Platz und wusste nun, was ich mit dem Mädchen machen könnte. Ich sprang auf, stupste sie erneut an und bat sie, mir zu folgen, was sie nach mehreren Anläufen sogar tat. In der Mitte des Dorfplatzes ließ ich mich nieder, streckte dem Mädchen die Pfote entgegen und geleitete sich vor mich, sodass sie sich an mich lehnen und bequem dem Spektakel am Pranger beiwohnen konnte, während ich ihr die Geschehnisse aus meiner Sicht erläuterte, wenngleich sie mich nicht verstehen konnte.

...

Weißt du, Kleines, zu Anfang wirkte dieses hölzerne Ungetüm doch sehr befremdlich, gab und gibt mir einige Rätsel auf. Es ist doch so: Ihr Zweibeiner, wenn ihr lacht... wenn ihr lacht, dann tut ihr das, um Freude auszudrücken, um Zuneigung zu zeigen. Und wenn du dich einmal umschaust, all die lachenden Wesen siehst... für einen Moment lang glaubte ich, dass dieses Kopfgefängnis Teil eines Rituals sei, Teil des Paarungsrituals der Zweibeiner, indem man gewillte Weibchen dort befestigt, sodass sie von den Männchen, welche hier auf dem Platz ihre Zuneigung bekunden, einfacher überzeugt werden könnten.

Aber das stellte sich wohl als Irrtum heraus, denn wie sollte es dem Männchen gelingen, seine Liebste in den Nacken zu beißen, wenn sie doch so gehindert in der Holzumklammerung gefangen ist? Und ohne das Beißen stellt sich doch gar keine Trächtigkeit ein, vom fehlenden Spaßempfinden mal ganz zu schweigen... *lacht herzhaft* ...ganz abgesehen davon, dass nicht allein Weibchen darin festgehalten werden. Auch stellte ich fest, dass ihr Menschen nicht nur lacht, wenn ihr Freude empfindet, ihr lacht auch... *schaut nachdenklich* ...wenn ihr jemanden nicht mögt, ihn verspotten wollt, sodass dieses Gelächter hier am Pranger gar keine Freundschaftsbekundung ist, es vielmehr dazu gedacht scheint, andere zu verletzen. Allerdings habe ich nie verstanden, warum ihr das tut. Genauso wenig habe ich je nachvollzogen, warum ihr zu einander Dinge sagt, die ihr manchmal gar nicht so meint.

Eine Zeit lang glaubte ich auch, dass diese Kopf- und Armklammer dazu gedacht ist, schwache Zweibeinertiere zu stützen, ja sogar zu füttern, indem ihr ihnen Obst und Gemüse zuwerft, sodass die Schwachen nicht selbst jagen müssen. Aber ich verstehe nicht, welchen Sinn es machen sollte, alte und schwache Tiere weiter zu versorgen, wenn das wertvolle Futter doch besser an die gesunden und starken Jäger verteilt werden sollte, um das Fortbestehen der Art zu garantieren.

Du siehst also, Kleines, so recht kann ich dir nicht sagen, warum sie das hier tun, aber es entbehrt nicht einer gewissen Komik, meinst du nicht auch? Hey... Hey, Kleines

...

Ich musste ihr wohl einen Tick zuviel geredet haben, sodass sie über meine Ausführungen eingeschlafen war. Ich schmunzelte, stützte sie mit einer Pfote ab und stellte mich tief geduckt vor sie, ließ ihren Oberkörper auf meinen Rücken sinken und trug sie zur nächsten Bank. Legte sie mit viel Mühe und möglichst vorsichtig auf der Bank ab und stupste sie noch einmal. Schlaf gut, Kleines.
Ich wünschte ihr gedanklich schöne Träume und ging weiter meiner Wege.

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